Finnland 2015 - Tag 1
von Astrid
Erste Eindrücke von Helsinki
Nachdem das Jahr für uns in Sydney auf der Südhalbkugel so wunderbar begonnen hatte, fieberten wir nun unserem nächsten Reiseerlebnis entgegen, dass uns diesmal in den hohen Norden führen sollte: Wir reisten nach Finnland. Von Düsseldorf aus ging es mit dem Flieger nach Helsinki, dem Startpunkt unserer Mietwagen- und Hotelreise, die uns bis nach Rovaniemi führen sollte, von wo aus wir zwei Wochen später den Rückflug nach Düsseldorf antreten wollten.
Länger hatten wir bei der Reiseplanung die unterschiedlichen Reise- und Anreisemöglichkeiten gegeneinander abgewogen und uns schließlich für die Variante mit Flugzeug; Mietwagen und Hotel entschieden. Schnell verworfen hatten wir die Idee, mit Christophs eigenem Wohnwagen auf der Fähre nach Finnland zu reisen, da die Abholung des Wohnwagens aus Born / Darß und dessen Vorbereitung für die Reise viel Zeit gekostet hätten und die Fährpreise für ein derart langes Gespann zuzüglich des bei Nachtüberfahrten obligatorischen Kabinenpreises für drei Personen außer Verhältnis zur zweiwöchigen Reisedauer stand. Lange favorisiert hatten wir dann die Anreise mit dem eigenen PKW, Fährüberfahrt und Hotelübernachtungen, was uns im Hinblick auf das begrenzte Flugzeuggepäck zunächst attraktiver gegenüber der Flugreise erschienen war. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns aber schließlich auch von diesem Plan, nachdem wir festgestellt hatten, dass uns die fast dreißigsstündige Fährüberfahrt von Travemünde und Helsinki zuzüglich Wartezeiten und Anreisezeit nach Travemünde zuviel kostbare Urlaubszeit kosten würde, die wir lieber zum Herumreisen im Land einsetzen wollten. Dazu kam noch, dass Endpunkt der Rundreise dann auch wiederum Helsinki hätte sein müssen, da es keine andere sinnvolle Möglichkeit der Fährrückfahrt von Finnland nach Deutschland gibt. Das hätte bedeutet, dass wir längst nicht so weit in den Norden hätten fahren können, wie wir es uns vorstellten; den Polarkreis und mit ihm das Weihnachtsmanndorf wollten wir schließlich schon unbedingt erreichen. Oder wir hätten deutlich längere Fahrtstrecken absolvieren müssen, dann aber nicht soviel Zeit für Sightseeing in diesem wunderbaren Land gehabt. Zwar stellten wir uns eine Fährüberfahrt durchaus als schönes Reiseerlebnis vor, vor allem, weil keiner von uns jemals eine längere Schiffsreise gemacht hatte und wir taten uns etwas schwer damit, diesen schönen Plan fallen zu lassen. Bei einer dreiwöchigen Reise hätten wir wahrscheinlich anders entschieden. In Anbetracht der Tatsache, dass uns nun aber nur zwei Wochen zur Verfügung standen, erschien uns dann doch die Variante mit dem Gabelflug Düsseldorf-Helsinki-Rovaniemi-Düsseldorf und dem Mietwagen am attraktivsten, zumal bei einer Hotelrundreise - anders als beim Camping - das Flugzeuggepäck auch durchaus ausreichend erschien.
Die Fluganreise mit Finnair und die Übernahme des Mietwagens von Avis am Flughafen in Helsinki funktionierten unkompliziert und reibungslos. Da wir bereits am Vortag aus Detmold nach Düsseldorf angereist waren und in einem Flughafenhotel übernachtet hatten, begann der Abreisetag für uns entspannt mit einem Frühstück im Ankunftsterminal des Flughafens. Anschließend checkten wir in aller Seelenruhe aus dem Hotel aus und standen ein paar Minuten später am Check In-Schalter der Fluggesellschaft. Da das Flugzeug nicht allzu groß sein würde, war die Wartschlange nicht lang. Wir checkten ein, passierten die Sicherheitskontrolle des Abflugsteigs B, erwarben noch schnell drei kleine Wasserfläschchen zu überteuerten Preisen und warteten am Abfluggate B 58 auf das Boarding, das pünktlich begann. Ein Bus brachte die etwa 100 Passagiere des nicht ganz ausgebuchten Fluges zum Hauptvorfeld. Der Sitzabstand war komfortabel, ansonsten war die Ausstattung des Fliegers spartanisch; nicht einmal ein Monitor mit Positionsanzeige war vorhanden. Ein nicht unerheblicher Teil der Passagiere, so auch unsere hinteren Sitznachbarn, flogen wohl nach Helsinki, um dort ein Kreuzfahrtschiff nach St. Petersburg zu besteigen. Pünktlich starteten wir dann auch Richtung Helsinki. Nach kurzem und kurzweiligem Flug über die Ostsee landeten wir um 15:05 Uhr Ortszeit in Helsinki. Da eine Grenzkontrolle nicht stattfand, standen wir kurze Zeit später auch schon am Gepäckband, das fünf Minuten später die ersten Koffer ausspuckte. Schnell kam auch unser Gepäck und wir marschierten weiter zur Avis Autovermietung, um das reservierte Auto abzuholen. Bei der netten Dame am Avis-Schalter buchten wir zusätzlich noch ein Navi und fanden schnell im Parkhaus den uns zugeteilten Skoda Octavia Kombi. Ohne Probleme verstauten wir unser Gepäck, programmierten das Navi und waren unterwegs Richtung Helsinki Zentrum. Nach zwei Wochen gewittriger Schwüle in Deutschland empfing uns Helsinki mit angenehmen 25 Grad und strahlend blauem Himmel. Bereits auf der Fahrt in die Stadt zog uns die lebhafte, sommerliche Atmosphäre der Stadt in ihren Bann. Viele Menschen flanierten durch die Straßen und genossen die Sonne, Straßencafes waren geöffnet und alles erschien sehr lebhaft und sommerlich, aber auch entspannt. So hatten wir uns eine der nördlichsten Hauptstände Europas nicht vorgestellt - von der Atmosphäre her hätten wir auch in mediterranen Gefilden gelandet sein können. Nach einer guten halben Stunde Fahrt vom außerhalb gelegenen Flughafen erreichten wir bei geringem Verkehrsaufkommen das Zentrum von Helsinki. Das erste finnische Wort war nun auch schon gelernt: Keskusta heißt Zentrum - wir bekamen einen Eindruck, dass man mit der üblichen Raterrei, die einen gut durch viele Länder Europas bringt, nicht viele Wörter der finnischen Sprache würde entschlüsseln können.
Schon aus einiger Entfernung erblickten wir die Uspenski-Kathedrale, die in der hellen Nachmitagssonne leuchtete und majestätisch auf einem kleinen Hügel an der Zufahrtstraße auf der Halbinsel Katajanokka thront, auf der unser Hotel - das Hellsten Helsinki Senate - gelegen war. Dank des Navis fanden wir das Hotel ohne Probleme und parkten erst einmal in einer Seitenstraße. Die Rezeption des Hotels war, wie man bereits per mail angekündigt hatte, nicht besetzt, aber man konnte mit einem in der Lobby befindlichen Telefon in einem anderen Hotel anrufen, von wo aus dann der Check In aus der Ferne durchgeführt wurde. Wir folgten den Anweisungen der netten Dame am Telefon, kodierten die Schlüsselkarten und erhielten Zimmer- und Parkplatznummer. Wir fuhren unser Auto in die Tiefgarage und bezogen schließlich unsere kleinen Appartments. Astrid und David wohnten auf der sechsten, Christoph auf der fünften Etage. Die Appartments ähnelten von der Ausstattung her geräumigen Einzelappartments im Studentenwohnheim, mit einer etwas in die Jahre gekommenen, aber durchaus gepflegten Ausstattung und waren durchaus gemütlich. Blitzsauber waren sie auch. Jedes Appartment verfügte über einen kleinen französischen Balkon, der aber lediglich die Aussicht in einen Hinterhof bot. Wir packten kleines Tagesgepäck und machten uns dann auch gleich auf den Weg in die Stadt.
Wir spazierten erstmal bei herrlichen, gar nicht schwülen 20 Grad und strahlendem Sonnenschein zur Uspenski-Kathedrale, die sozusagen in der Nachbarschaft unseres Hotels lag. Die Kathedrale lag noch immer wunderbar in der Sonne und wir spazierten den Hügel hinauf, um von dort die Aussicht über die Stadt und vor allem auf die Domkirche, zu genießen. Entgegen unserer Erwartungen war die Kathedrale sogar noch geöffnet. Inzwischen war es schon fast 17:00 Uhr, sodass wir damit nicht mehr gerechnet hatten. So hatten wir Gelegenheit, noch schnell einen Blick in die größte orthodoxe Kirche Westeuropas zu werfen. Der Innenraum der Kirche beeindruckte uns und vermittelte uns erstmals das Gefühl, dass Finnland nicht nur weit nördlich, sondern auch weit östlich gelegen ist - eine Erkenntnis, die sich auf der Reise noch an vielen Orten vertiefen sollte. Offenbar hatten nicht nur schwedische Herrscher immer wieder Einfluss auf die finnische Geschichte genommen; auch vom Nachbarland Russland bleib Finnland nicht unbeeinflusst. Für uns, die uns Russland häufig als der böse Feind im Osten verkauft wird, wurde in Finnland eindrucksvoll klar, wie nah Russland ist, wie lang die gemeinsame Grenze von Finnland und Russland ist und wie verwoben die Geschichte der Völker.
Nach der Besichtigung der Kathedrale schlenderten wir durch den Sonnenschein weiter, vorbei am Marktplatz und über die Esplanade und genossen die quirlige Atmosphäre der Stadt. Überall war viel Betrieb, jeder schien das schöne Wetter am Samstagabend zu nutzen. Wir bogen schließlich ab in eine Fußgängerzone mit zahlreichen Läden und Cafes und standen auch bald vor einem kleinen Fast-Food-Restaurant, dem Friends BRGR, die versprachen, nur mit frischen Zutaten und ohne Zusätze zu kochen. Wir entschieden uns für einen Test und waren begeistert von dem guten Essen. Mit insgesamt 38 € war das Essen für drei Personen in einem Self-Service-Restaurant verglichen mit den Menü-Preisen bei McDonalds in Deutschland allerdings auch nicht gerade günstig. Gesättigt und zufrieden spazierten wir weiter durch die Stadt, die uns bereits jetzt ausnehmend gut gefiel, am Bahnhof und am großen Kaufhaus Stockmann, sozusagen dem Harrod's von Helsinki, vorbei und zurück zum Hafen. Wir winkten einem auslaufenden Kreuzfahrtschiff, das in einem beeindruckenden Manöver Helsinkis Hafen durch die vorgelagerten Inselchen Richtung Ostsee verließ und schlenderten zur schließlich zur Katajanokka-Halbinsel zurück, wo wir uns in ein Straßencafe setzten. Wir erwarben zwei 0,33 l-Flaschen Cider und staunten ein weiteres Mal nicht schlecht über die gesalzenen finnischen Preise - pro Flasche waren wir mit 8,50 € dabei! Wir probierten Blackberry Cider und Pear Cider, beides sehr süß, aber genießbar und vor allem mit schönem Blick auf die Ostsee in der Abendsonne.
Um die nähere Umgebung unseres Hotels noch näher kennen zu lernen, spazierten wir dann an der Nordseite der Halbinsel auf einem schönen Fußgängerweg weiter. Beeindruckt waren wir, als wir auf einmal vor der finnischen Eisbrecherflotte standen. Vier oder fünf dieser massigen Schiffe lagen dort und warteten auf den Winter. Im Augenblick erschien es uns schwer vorstellbar, dass diese hier in nur wenigen Monaten benötigt werden würden. Wir schlenderten weiter am Ufer der Halbinsel entlang, bis wir schließlich am Viking Fährterminal die Insel zu 3/4 umrundet hatten und liefen dann auf dem kürzesten zum Hotel zurück. Inzwischen war es halb zehn und noch immer hell, allerdings auch deutlich kühler geworden. Da wir unsere Jacken im Hotel gelassen hatten, beschlossen wir nun, dahin zurückzukehren. Es dauerte noch bis fast elf Uhr, bis das letzte Restlicht verschwunden war und war damit noch deutlich länger hell als daheim. Kaum zu glauben, dass auch hier in ungefähr fünf Wochen die Tage schon kürzer sein würden als die Nächte.
Ein erlebnisreicher Anreisetag ging für uns entspannt zu Ende, an dem wir schon ahnten, dass Finnland uns gefallen könnte.
Kommentar von Elchi |
Wow, was für ein tolles Foto! Das ist ja noch besser als in den Erzählungen :)
Kommentare
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