Finnland 2015 - Tag 10

von Astrid

Von der russischen Grenze an die Ostsee

Heute freuten wir uns auf ein Wiedersehen mit der Ostsee. Wie inzwischen schon gewohnt trafen wir uns um viertel vor neun zum Hotelfrühstück, bei dem es heute deutlich ruhiger war als gestern. Offenbar waren gestern noch viele Wochenendausflügler im Hotel unterwegs, die nun am Montag alle wieder an ihre heimischen Schreibtische mussten. Wir frühstückten Porridge, Obst und Brötchen, während David pflichtgemäß ein bisschen Schokolade aus dem Schokoladenbrunnen mit Marshmallows aß.

Nach dem Frühstück fuhren wir mit der Seilbahn schon einmal einen Teil des Gepäcks zum unterhalb gelegenen Parkplatz, stürmten den bisher geschlossenen, leider überteuerten Souvenirshop des Visitor Centre, holten unser restliches Gepäch und checkten aus dem Hotel aus. Noch einmal fuhren wir mit der Seilbahn nach unten und dann waren wir auch schon unterwegs auf der insgesamt längsten Etappe unserer Reise. Insgesamt 373 km ging es für uns Richtung Nordwesten bis nach Oulu.

Auf ungefähr der Hälfte der Strecke pausierten wir in dem schönen kleinen Urlaubsort Vuokatti, von dem wir vorher noch nie etwas gehört hatten. Rein zufällig hatten wir den Abzweig von der ansonsten einsamen Landstraße genommen, weil ein Restaurant ausgeschildert war. Wir landeten an einem schönen See, auf dessen anderer Uferseite Skipisten zu erahnen und eine Skisprungschanze zu sehen waren. Auf unserer Seite befand sich ein kleines Mökki-Dorf und ein Restaurant mit einer schönen Terrasse, von wo aus man einen Blick über den See hatte. Zwar war im Restaurant wieder Lunch Buffet angesagt. Inzwischen wussten wir, dass die Finnen wahre Fans des Buffet-Essens sind – morgens, mittags und abends gibt es am liebsten Buffet – aber auf Nachfrage bekamen wir auch einfach Kaffee und Tee. Souverän bestellten wir diesen an der Theke – wann man an der Theke bestellen muss und wann man am Tisch bedient wird, haben wir noch immer nicht so ganz raus – und schon geleitete uns eine nette Dame zum Buffet, wo wir uns Kaffee und Tee nehmen durften. Die Bestellvorgänge sind uns hier weiterhin nicht so ganz plausibel, es scheint aber so, dass man häufig auf jeden Fall Getränke an der Theke bestellt und selbst mit zum Platz nimmt. Auch Essen wird häufig so bestellt, man bekommt eine Nummer und das Essen wird dann zum Platz gebracht. Für unwissende Ausländer wird häufig allerdings auch die Bestellung direkt am Tisch aufgenommen. Manchmal gibt es aber auch wieder Full Service am Tisch. So ganz routiniert sind wir da noch nicht.

Wir waren jedenfalls glücklich mit unserem Kaffee und verbrachten eine Weile auf der Terrasse des Restaurants und genossen Sonne und Aussicht. Gegen zwei Uhr setzten wir den Weg nach Oulu fort, wo wir pünktlich um 16 Uhr eintrafen. Da es sich bei unserem Hotel um ein Self-Service-Hotel ohne Rezeption handelte und der Türcode für unsere Zimmer erst ab 16 Uhr gültig war, war die Ankunft damit hervorragend getimt. Da es am Hotel keine Parkplätze geben sollte, parkten wir direkt am Anfang der Straße im Parkhaus und liefen dann zum Hotel. Der Türcode funktionierte und wir fanden unsere Zimmer. Die Zimmer waren klein und erinnerten etwas an Einzelappartments im Studentenwohnheim, waren aber recht neu, sauber und zweckmäßig. Und bei einem Preis von 50 € pro Zimmer waren wir insgesamt zufrieden. Auch die innenstadtnahe Lage des Hotels wog den mäßigen Charme der Zimmer auf.

Nach einer kurzen Pause machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt, wo wir die – laut Reiseführer – berühmteste Fußgängerzone Finnlands entlang schlenderten. Wir fanden eine kleinere Version des Kaufhauses Stockmann, das wir schon aus Helsinki kannten und besuchten schließlich noch einmal eine Buchhandlung, wo wir ein paar Souvenirs, vor allem mit Mumin-Motiven, zu nicht ganz so utopischen Preisen erwarben. Da wir inzwischen Hunger hatten, stürmten wir einen Mexikaner direkt in der Fußgängerzone, wo wir leckeres Essen serviert bekamen.

Gesättigt machten wir uns auf den Weg zum Ostseestrand, den wir nach etwa 3,5 km Fußmarsch über einige vorgelagerte Inselchen erreichten. Unterwegs kamen wir noch an dem laut Reiseführer sehenswerten Marktplatz vorbei, der allerdings leider eine Großbaustelle war. Wir erreichten schließlich den Ostseestrand, einen breiten Stadtstrand, vergleichbar vielleicht mit dem Strand in Travemünde. Die Ostsee hatte gerade auch offenbar Niedrigwasser; der Tidenhub ist hier weit im Norden wahrnehmbarer als an der vorpommerschen Ostseeküste, die wir sonst so gerne besuchen. Aber: da wir uns an einem Weststrand befanden, konnten wir uns bei klarem, sonnigem Wetter immerhin auf einen schönen Sonnenuntergang freuen. Jetzt wollten wir natürlich auch noch den ultimativen Test machen: Hat die Ostsee hier wirklich Süßwasser? Bei einem Besuch im Ozeaneum in Stralsund ein paar Monate zuvor hatten wir gelesen, dass das so sein sollte, aber glauben wollten wir es nicht. Wir wateten durch das Brackwasser ein Stück hinaus und testeten und tatsächlich: Das Wasser schmeckte kein bisschen salzig. Das hätten wir uns so nicht vorgestellt. Wir probierten noch ein bisschen, aber es ließ sich tatsächlich kein noch so kleiner Salzanteil feststellen. Da wir inzwischen feststellen mussten, dass Oulu auch über eine höhe Bevölkerungsdichte an Mücken verfügt, verließen wir den Strand und erstanden im am Strand gelegenen Sokos-Hotel zwei Gläser Wein für jeweils 7 € und einen Tee. Das angeblich geradezu luxuriöse Hotel, mit dem wir bei der Reisevorbereitung auch kurz geliebäugelt hatten, schien uns allein über eine luxuriöse Lage an der Ostsee zu verfügen - ansonsten schlug uns auch hier eher Jugendherbergsatmosphäre entgegen, wobei wir natürlich fairerweise sagen müssen, dass wir die Zimmer nicht gesehen haben. Jedenfalls waren wir doch ganz froh, dass wir die günstige Variante in der Stadt gewählt hatten. Wir setzten uns auf die Sonnenterasse mit Blick aufs Meer.

Als die Sonne dann bald unterging, gingen wir noch einmal auf den Strand und beobachteten den sehr schönen Sonnenuntergang. Nachdem die Sonne untergegangen war, machten wir uns dann auch zügig auf den Rückweg. Kaum hatten wir dem Strand den Rücken gekehrt, konnten wir auch schon den ersten Bodennebel aufsteigen sehen. Wir marschierten zügig, da es kalt wurde, zurück zum Hotel, wo wir gegen zehn ankamen. Wir ließen den Tag in unserem Roboter-Hotel ausklingen. Morgen fahren wir bereits weiter nach Kuusamo. Die Besuchszeit von einem halben Tag war für Oulu knapp, allerdings auch ausreichend. Wir hatten nicht das Gefühl, hier noch etwas verpasst zu haben.

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Kommentare

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Kommentar von Elchi |

Wow, was für ein tolles Foto! Das ist ja noch besser als in den Erzählungen :)

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