25.08.2015 - Mit den Rentieren nach Kuusamo
von Astrid
Nach unserem kurzen Zwischenstopp in Oulu ging es heute ins Wintersportparadies Kuusamo. Da wir uns von dem von unserem Self-Service-Hotel angebotenen Frühstück bei dem im Haus befindlichen Subway für 7 € nicht sonderlich viel versprachen, trafen wir uns heute um 08:45 Uhr zum Früstück-Shopping. Da auf unseren Zimmern ein recht reichhaltiges Angebot an Instant-Kaffee, Kaffeweißer, Zucker und Tee vorhanden war, beschlossen wir, einfach im nahe gelegenen K-Mart für Essbares zu sorgen. Wir erwarben dann auch für 5 € einige karelische Piroggen und verschiedene Pulla-Teilchen und gingen zurück ins Hotel, wo wir unsere Beute zum Kaffee und Tee aus dem Plastikbecher verspeisten.
Gestärkt checkten wir aus dem Hotel aus, was dergestalt geschah, dass man einfach ein "Checked out"-Schild an die Tür hängte, und schon waren wir wieder unterwegs. Im Parkhaus mussten wir Parkgebühren von insgesamt 15 € zahlen, was wir auch in Ordnung fanden. Nach einem kurzen Stopp an einer Tankstelle waren wir schließlich auf dem Weg in die finnische Wildnis - jedenfalls stellten wir uns das so vor. Die Strecke betrug heute etwa 230 km und begann zunächst gewohnt langweilig. Das Navi zeigte an, dass wir 225 km geradeaus fahren sollten und so tuckerten wir mit Tempo 60-100 so dahin.
Nachdem wir etwa 100 km gefahren waren, bemerkten wir dann – zum Glück rechtzeitig – am Straßenrand etwas, was wir erstmal für einen Radfahrer und dann für einen Esel hielten, und was sich schließlich als Rentier entpuppte, das hier einfach so die Straße entlang spazierte. Natürlich hatten wir die Schilder gesehen, die in ganz Nordfinnland vor Rentieren warnten, aber so richtig damit gerechnet hatten wir nicht, dass uns tatsächlich eines begegner würde, schon gar nicht am helllichten Tag. Die Begegnungen wiederholten sich dann auf der Weiterfahrt auch noch drei oder vier Mal, wobei wir die nächsten Male immer drei Tiere in einer Gruppe antrafen. Die Tiere hatten offenbar auch Spaß daran, die Straße entlang des Mittelstreifens entlang zu laufen, anstatt sie zu überqueren und so fuhren wir vorsichtig an ihnen vorbei. Zum Glück konnten wir sie auf den langen geraden Straßen weit genug im Voraus sehen. Das war schon alles irgenwie surreal.
Gegen ein Uhr trafen wir dann in Kuusamo ein und stürmten erstmal einen Supermarkt, da der Hotel-Check-In erst um 16 Uhr sein sollte und wir noch keinen finnischen Supermarkt intensiv besichtigt hatten. Wir wollten für die nächsten zwei Tage einkaufen, denn wir sollten ja ein Appartment haben, in dem wir uns dann natürlich auch das Frühstück selbst zubereiten wollten und mussten und vielleicht auch einmal kochen wollten. Wir erwarben – soweit mit unseren Sprachkenntnissen feststellbar – mehrere Teilchen, Toasties aus sehr dunklem Mehl, Käse, Milch, Volkornnudeln und Tomatensauce, und Haferflocken für unsere neueste Entdeckung, das morgendliche Porridge. Insgesamt verbrachten wir eine geraume Zeit in dem großen Supermarkt, inspizierten das Sortiment und staunten über die vielen Trekking-Artikel, die dort angeboten wurden sowie über die Eishockey-Schläger, die Mumin-Tassen und mit Mumins bedruckten Backformen und staunten auch hier und da mal wieder über die Preisgestaltung.
Schließlich war es halb drei und wir beschlossen, uns langsam auf den Weg zum Hotel zu machen. Vorher stürmten wir noch den auf der anderen Straßenseite gelegenen "Alko"-Laden und erwarben eine kleine flasche "Salmiakki", eine Art Lakritz Wodka, den uns schon vor vielen Jahren unsere Freundin Ulla nahe gebracht hatte. Verhältnismäßig war der gar nicht so teuer. Die kleine Flasche kostete 10 €.
Am Hotel angekommen checkten wir ein und freuten uns dann sofort über unsere Unterbringung, denn das gebuchte Appartment entpuppte sich als kleine Blockhütte direkt am See, die für zwei Tage unser Zuhause sein sollte. Sie verfügte über eine schöne, verglaste Veranda, wo man auch bei Regenwetter draußen sitzen kann, eine große, gemütlich Wohn-Küche und zwei kleine Schlafräume. Im Bad hatten wir sogar unsere eigene Sauna! Im Winter könnte man in einem Holzofen Feuer machen. Die Küche war sehr gut ausgestattet, es gab sogar eine Spülmaschine und natürlich den typisch finnischen Abtropf-Schrank, einen Hängeschrank, der innen nicht mit Regalböden, sondern mit Abtropfgittern ausgestattet ist und nach unten offen. Man stellt das gespülte Geschirr hinein und lässt es darin trocknen. Im Bad war sogar eine Waschmaschine vorhanden.
Wir waren inzwischen hungrig und entschieden uns, nachdem wir das Auto ausgeladen und unsere Vorräte aus dem Supermarkt verstaut hatten, erstmal für ein Picknick auf der kleinen Terrasse mit Blick auf den See. Unsere Idylle wurde jedoch durch ein für uns in Finnland völlig neues Erlebnis getrübt: es fing tatsächlich an zu regnen! Und das dann auch gleich nicht zu knapp.
Da wir nicht wirklich mehr Programmpunkte für heute auf der Tagesordnung hatten und der Regen anhielt, beschlossen wir, zur Rezeption zurückzufahren und für 20 € pro Person (gegenüber 18 € für einen zweistündigen Besuch) die Flatrate für das hoteleigene Spa für unseren gesamten Aufenthalt zu buchen. Bereits im Umkleidebereich wurde uns klar, dass "Spa" eine relativ euphemistische Umschreibung eines Spaßbades aus den 70er Jahres war, das durchaus gut gepflegt, aber eben nicht so besonders modern war. Die Saunen, auf die wir uns natürlich in Finnland besonders gefreut hatten, befanden sich jeweils in den Herren- und Damen-Duschen. Dass hier nach Geschlechtern getrennt sauniert wird und das Saunieren eher zum Körperpflegeprogramm gehört, wussten wir natürlich. Aber die Sauna in einer Schwimmbadtusche versprach nun so gar keine richtige Idylle. Wir stellten auch fest, dass die Finnen keine Handtücher mit in die Sauna nehmen, sondern von einer Rolle ein Stück beschichtetes Papier abreißen, dass sie dann unterlegen. "Kein Schweiß aufs Holz" scheint hier kein allgemeines Sauna-Prinzip zu sein. Stücke dieses Papieres, allerdings schon vorgeschnitten, entdeckten wir später auch in unserer Hütte. Das Schwimmbadwasser war auch etwas zu kühl für unseren Geschmack, aber wir blieben dennoch etwa eine Stunde in dem tropischen Spaßbad. Um kurz nach sechs duschten wir uns dann und machten uns auf den Rückweg zu unserem Bungalow, wo wir erstmal eine Portion Nudeln mit Tomatensauce kochten. Es musste ein kurzer Kampf mit dem Induktionskochfeld ausgefochten werden, aber dann lief alles gut und bald freuten wir uns auf ein warmes Abendessen. Der Regen hatte inzwischen aufgehört, der Himmel blieb wolkig, aber wir genossen trotzdem das Abendessen auf unserer kleinen Terrasse.
Nach dem Essen heizten wir dann auch endlich die Sauna in unserer Blockhütte an für unseren ersten finnischen Saunabesuch. Nach 45 Minuten war die Temperatur von 85 Grad erreicht und wir starteten unseren ersten Saunagang in der heimischen Sauna mit Blick auf unsere Nachbarhütten. Allerdings nahmen wir entsprechend unserer Gepflogenheiten doch lieber unsere Handtücher mit in die Sauna. Mit dem bereitgestellten Eimer und der Schöpfkelle fabrizierten wir sogar einen angenehmen Aufguss. In der direkt benachbarten Dusche konnten wir uns anschließend abkühlen. Wir relaxten ein wenig im Wohnzimmer und starteten dann noch einen zweiten Durchlauf. Völlig entspannt ließen wir den Abend dann mit einem uns inzwischen völlig vertrauten Lapin Kulta ausklingen.
Kommentar von Elchi |
Wow, was für ein tolles Foto! Das ist ja noch besser als in den Erzählungen :)
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