Finnland 2015 - Tag 12
von Astrid
Die Kleine Bärenrunde im Oulanka Nationalpark
Heute stand der Besuch des Oulanka Nationalparks etwa 40 km nördlich von Kuusamo auf dem Programm. Wir standen gegen acht Uhr auf und bereiteten erstmal das gestern erworbene Instant-Porridge aus dem Supermarkt zu, was hervorragend schmeckte. Nachdem wir außerdem noch etwas von den finnischen Toasties genossen hatten, packten wir bei nebligem Wetter unsere Sachen und fuhren los in den Oulanka Nationalpark. Auf der Straße begegneten uns wieder vereinzelte Rentiere, die bei dem dichten Neben gar nicht so einfach zu sehen waren und so waren wir froh, als wir um kurz nach zehn schließlich den Wandererparkplatz im Dorf Juuma erreichten, von wo aus man die Wanderung auf der "Kleinen Bärenrunde", einem 12 km langen Rundwanderweg durch einen kleinen Teil des Nationalparks starten kann.
Obwohl das Wetter noch immer trübe war und die Saison vorbei, fanden sich doch einige Wanderer auf dem Parkplatz ein, die sich auf den Weg in den Nationalpark machten. Einige hatten auch Marschgepäck dabei, sicherlich um den berühmten Mehrtagesrundweg "Große Bärenrunde" zu gehen, der etwa 85 km lang ist. Soviel Zeit hatten wir diesmal nicht, also musste für einen kleinen Einblick in die finnische Natur die "Kleine Bärenrunde" reichen. Bei dunstigem Wetter machten wir uns auf den Weg, der in weiten Teilen an dem Fluss Oulankajoki entlang führt, mit vielen Stromschnellen und spektakulären Ausblicken. Der Weg war gut zu gehen, man hatte allerdings auch einige Höhenmeter zu bewältigen. Oft gab es Holzbohlen über sumpfige Stücke, dann auch wieder Treppen, um an steileren Klippen bequem die Höhe überwinden zu können. Besonders begeistert waren wir von den Hängebrücken, die an verschiedenen Stellen über den Fluss oder einen kleinen See führen.
Der Weg führte uns vom Parkplatz in Juuma zuerst zur Myllykoski, einem Wandererrastplatz mit Lagerfeuerplatz an einer alten Wassermühle. Die Stromschnellen, die sich hinter der Mühle befinden, waren schon beeindruckend. Staunend betrachteten wir auch die Ausstattung des Wandererrastplatzes: Neben einer Feuerstelle aus alten LKW-Felgen in alten LKW-Felgen gab es einen großen Schuppen, in dem Feuerholz gelagert wurde. Um das Feuerholz zu zerkleinern, fanden sich hochwertige Sägen und Äxte. Um über dem Feuer zu grillen, standen ein Grillrost und mehrere Spieße bereit. Selbst eine gusseiserne Pfanne war vorhanden. Für einen spartanischen Campingplatz schon eine hervorragende Ausrüstung. Wir wir später feststellten, waren die Rastplätze alle so ausgerüstet, wobei andere noch über Komposttoiletten verfügten, kleine Häuschen mit Donnerbalken, die statt Toilettenpapier über einen Haufen Erde mit Schäufelchen verfügten, sodass man anschließend Erde in den Donnerbalken schaufeln konnte zur Vermeidung von Gestank und Viehzeug. An den diversen Rastplätzen trafen wir auch vielfach auf Wanderer, die tatsächlich ein Lagerfeuer entzündet hatten und Würstchen grillten, was uns auch selber das Gefühl vermittelte, auf einer viel längeren Trekking-Tour zu sein. Wanderern der "Großen Bärenrunde" erspart die gute Ausstattung sicherlich viel Schlepperei.
Von der Wassermühle aus wanderten wir entlang des Flusses, mal direkt am Ufer, mal etwas oberhalb, bis wir die gewaltige Stromschnelle Jyrävä erreichten. Nachdem wir ungefähr die Hälfte des Weges zurück gelegt hatten, pausierten wir an einem Rastplatz, wo auch bereits ein Pärchen ein Lagerfeuer entzündet hatte. Wir verspeisten unseren mitgebrachten Proviant und da wir brav alles aufaßen, kam auch "unser" finnisches Wetter zurück, die Wolkendecke riss auf und wir saßen im strahlenden Sonnenschein. Die Nebellandschaft, die wir bisher durchwandert hatten, war zwar auch irgendwie schön, aber die jetzt nasse, grüne Landschaft sonnenüberflutet zu sehen war doch noch schöner. Wir wanderten weiter und mussten nun einen steilen Anstieg über eine Treppe überwinden. Wir hatten bei der Reisevorbereitung gelesen, dass man die Runde sozusagen falsch herum wandern sollte, um diesen Aufstieg zu vermeiden. Wir hatten auch eigentlich gedacht, dass wir das täten, aber offenbar war dem nicht so. Wir mussten jedenfalls herauf. Oben wies uns ein Schild darauf hin, dass wir nun etwa 13 Stockwerke zu Fuß heraufgestiegen seien.
Im Sonnenschein wanderten wir weiter, bis wir wieder die Wassermühle erreichten, von wo aus wir auf dem nun schon bekannten Weg zurück zum Parkplatz liefen. Ein bisschen erleichtert waren wir schon, als wir die letzte Hängebrücke erreichten. Bereits am morgen hatten wir am Parkplatz das kleine Cafe (oder, wie wir jetzt fachmännisch wissen: kahvila) entdeckt, das direkt am Seeufer lag mit einer schönen Sonnenterrasse, und das suchten wir jetzt auch auf. Wir tranken einen Kaffee auf der Terrasse und waren glücklich, die "Kleine Bärenrunde" absolviert zu haben. Leider hatten wir keine Tiere gesehen, aber auf Bären waren wir sowieso nicht os scharf und Rentiere laufen ja ohnehin genug auf der Straße herum...
Nachdem wir unseren Kaffee ausgetrunken hatten, überlegten wir, wie wir den Tag nun weiter gestalten sollten und entschieden uns dafür, noch einmal in unserem schönen Mökki am See selber zu kochen. Wir wollten Pfannkuchen mit frischen Beeren machen, auch um die Eier zu verbrauchen, die wir gestern eingekauft hatten und fuhren daher erstmal zurück nach Kuusamo zum Supermarkt. Wir erwarben Mehl und Milch im Supermarkt und vor dem Supermarkt an einem Stand Blaubeeren und Himbeeren, wobei erwähnenswert ist, dass die Beeren hier in Litern abgemessen werden. Für günstige 5 € erwarben wir etwa 200 g Himbeeren und ungefähr 500 g Blaubeeren. Zurück im Bungalow bereiteten wir dann Pfannkuchen mit den Beeren zu, was hervorragend schmeckte. Einen kurzen Kampf mussten wir noch mit der Spülmaschine ausfechten, in die wir gestern unser gesamtes Geschirr geräumt hatten und die wir nun einschalten wollten. Sie zog einfach kein Wasser. Schließlich kam Christoph auf die Idee, dass ein kleiner Hebel an der Spülarmatur wohl den Wasserzulauf zur Spülmaschine regelt. Und tatsächlich: die Spülmaschine funktionierte.
Nach dem Abendessen und dem damit verbundenen Aufräumen heizten wir dann natürlich die Sauna wieder an. Christoph musste leider kopfschmerzbedingt heute passen, aber Astrid und David genossen noch zwei Saunagänge. So eine Heimsauna ist schon praktisch. Man kann zum Beispiel einfach zwischen zwei Saunagängen die Spülmaschine ausräumen. Nach der Sauna gab es – passend zur Pienin Karhunkierros, der kleinen Bärenrunde, heute mal ein Karhun-Bier. Karhun heißt Bär. Wie überraschend. Karhu hat diverse Sorten, einige werden auch mit römischen Zahlen bezeichnet, aber was das wirklich bedeutet, haben wir noch nicht herausgefunden. Wir ließen den Abend auf dem Sofa ausklingen. Morgen geht es leider schon zur letzten Station nach Rovaniemi.
Kommentar von Elchi |
Wow, was für ein tolles Foto! Das ist ja noch besser als in den Erzählungen :)
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