Finnland 2015 - Tag 15

von Astrid

Heute hieß es für uns Abschied nehmen von Finnland. Dass heute noch ein ereignisreicher Tag werden würde, ahnten wir noch nicht, als wir uns heute morgen im Weihnachtsmanndorf um viertel vor neun zum Frühstücksbuffet einfanden. Von der Performance beim Buffet waren wir nicht so richtig begeistert. Als wir das Restaurant betraten, fanden sich zwar reichlich freie Tische, aber kein einziger, der nicht voll mit schmutzigem Geschirr war. Ein Abräumer war nicht zu sehen, also räumten wir kurzerhand selbst einen Tisch frei. Beim Buffet war dann das Porridge zwar heute aufgefüllt, aber trotz diverser Kaffeekannen gab es eine Zeit lang keinen Kaffee, dann fehlte die Milch und es machte keiner der Angestellten so richtig Anstalten, hier einzugreifen. Als wir dann trotzdem gesättigt waren, liefen wir zurück zum Bungalow, packten die letzten Sachen und entschieden uns, dann auch auszuchecken. Wir hatten auch sonst nichts mehr im Weihnachtsmanndorf zu tun.

Nach kurzer Fahrt erreichten wir den kleinen Flughafen von Rovaniemi, wo um halb elf noch kein Flugzeug weit und breit zu sehen war und auch kaum potentielle Passagiere. Wir parkten das Auto bei Avis auf dem Parkplatz und wanderten zum Terminal, wo am Schalter keiner einzigen Autovermietung irgend jemand zu sehen war. Auch ansonsten war der Flughafen noch geschlossen, kein Check-In geöffnet und kein Sicherheitscheck. Wir warteten noch eine gute Stunde und entschieden uns dann, das Navi einfach in den Kofferraum vom Auto zu legen und den Schlüssel in den dafür markierten Kasten am Avis-Schalter zu legen – mit leichtem Bedauern, denn unser Skoda war uns in den letzten zwei Wochen doch sehr ans Herz gewachsen.

Dann begann der Check In. Hier schwante uns bereits, dass mit unseren Rückflügen offenbar nicht alles so laufen würde wie geplant, denn für den Flug von Helsinki nach Düsseldorf erhielten wir nur Standby-Bordkarten und auch unser Gepäck wurde nur Standby eingecheckt. Genaueres konnte man uns nicht sagen, nur, dass wir in Helsinki zum Gate gehen sollten, dort würde man uns richtige Bordkarten geben. Aha. Wir passierten den Sicherheitscheck, wobei diesmal wieder Astrids und Christophs Wanderschuhe Probleme bereiteten und eine Kerze in Astrids Rucksack für eine Flüssigkeit gehalten wurde. Pünktlich ging der Flieger dann aber los Richtung Helsinki. So richtig Glück hatten wir hier auch nicht, denn Christophs Sitznachbar, der zu allem Überfluss auch noch mit einer Katze im Handgepäck reiste, litt offenbar an einer Persönlichkeitsstörung, redete unablässig, obwohl wir ihm deutlich machten, dass wir kein Finnisch verstünden, und sich auch sonst seltsam verhielt. Auch eine finnische Dame vor uns war genervt und sagte schließlich etwas zu dem Typen, wonach eine zeitlang Ruhe war. Auch die Stewardess war zum Glück aufmerksam, entschuldigte sich und sagte Christoph, dass er jederzeit Klingeln solle nach dem Kabinenpersonal, wenn es mit dem Typen schlimmer würde. Zum Glück erreichten wir nach einer Stunde Helsinki und begaben uns umgehend zum Transferschalter von Finnair, wo man uns mitteilte, dass sie zu unseren Boardkarten auch nichts sagen könnten. Wir müssten zum Gate.

Am Gate, wo sich so langsam die Passagiere versammelten, teilte uns eine nette Dame mit, dass der Flug nach Düsseldorf überbucht sei und sie nicht alle von uns würden mitnehmen können. Fraglich war noch, ob ein oder zwei Plätze fehlen würden. Sie fragte uns, ob wir uns vorstellen könnten, über Frankfurt nach Düsseldorf zu fliegen. Sie würden pro fehlendem Platz eine Entschädigung von 200 € zahlen, wahrscheinlich würden zwei Plätze fehlen, also 400 €. Wir erklärten, dass wir zusammen reisen wollten und sie sagte, dass es kein Problem sei, uns alle umzubuchen. Wir überlegten, dass wir das in Erwägung ziehen würden. Per Durchsage fragte die Dame noch einmal nach, ob sich andere Passagiere bereit fänden, gegen die Entschädigungssumme einen anderen Flug zu nehmen, aber es fand sich keiner. Manche verstanden auch nicht, dass sie Geld bekommen sollten, sondern dachten, dass sie zahlen sollten. Nachdem das Boarding vorbei war und tatsächlich nicht alle mit konnten, erklärte uns die Dame zunächst, dass noch zwei Plätze frei seien, sie also nur einen entschädigen wollten und was wir machen wollten. Wir erklärten, dass wir zusammen reisen wollten, auch wenn wir dann nur 200 € bekämen. Schließlich mussten wir auch gemeinsam aus Düsseldorf weiter – das Auto stand ja noch im Maritim Hotel geparkt.

Wir folgten der Dame also wieder zum Transfer Desk, wo sie kurz mit einer Kollegin sprach. Wie sich heraus stellte, fehlten doch zwei Plätze im Flugzeug, sodass die Entschädigung 400 € für uns drei betrug. Da freuten wir uns natürlich. Die Dame händigte uns noch drei Essensgutscheine à 8 € aus und wies uns an, in einer viertel Stunde wieder zu kommen, dann hätte ihre Kollegin alles geregelt. Wir erwarben mit unseren Gutscheinen also noch Wasser und drei Pulla (allerdings nicht so gut wie die selbstgemachten von Ulla) und gingen zurück zum Schalter. Dort hatte man alles vorbereitet. Uns wurden drei E-Tickets für Lufthansa-Flüge nach Frankfurt und dann nach Düsseldorf ausgehändigt. Wir müssten damit zum Gate und dort am Schalter einchecken, denn dies hätten sie nicht machen können. Unser Gepäck würde mit uns reisen, wir müssten unsere Gepäckabschnitte bereit halten. Dann händigte uns die Dame eine Prepaid-Visakarte aus und erklärte uns, dass hierauf ein Guthaben von 400 € sei. Mit der auf einem Zettel aufgedruckten PIN könnten wir dies abheben, wobei nur die erste Abhebung kostenfrei sei, sodass sie empfehlen würde, es in einer Summe abzuheben. Der nächste Geldautomat sei gegenüber. Sie dankte uns für unsere Kooperation und wir verabschiedeten uns Richtung Lufthansa.

Erstmal gingen wir dann zum Geldautomaten, um den Betrag abzuheben, da wir uns hier noch am besten hätten beschweren können, wenn es nicht funktioniert hätte. Tatsächlich: 400 € spuckte uns der Automat aus. Dann gingen wir zum Gate für unseren Lufthansa-Flug, wo bald auch geöffnet wurde. Vor uns war dann erstmal eine Dreier-Gruppe Italiener mit einem ähnlichen E-Ticket von Finnair wie wir es hatten und offenbar einem ähnlichen Problem, aber keinerlei Englischkenntnissen. So zog sich das Prozedere hin und wir waren nun doch etwas genervt. Mehrfach fragte die Dame die Italiener, ob sie wirklich kein Gepäck eingecheckt hätten, was von diesen verneint wurde. So richtig konnte das keiner glauben, da sie auch kaum Handgepäck hatten, aber schließlich druckte die Dame allen dreien Bordkarten aus und es ging weiter. Gerne hätten wir noch erfahren, auf welchem Weg das Gepäck der Italiener sich nun befand... Wir waren froh, als wir auch endlich Bordkarten für beide Flüge in der Hand hielten.

Dann ging es auch schon los, ungefähr um 18 Uhr, der Uhrzeit, zu der wir in Düsseldorf hätten ankommen sollen. Am Gate gab es dann noch einen kurzen Schreck als Davids Bordkarte auffällig piepste und die Dame mitteilte, dass "es ihr sehr leid tue, aber..... wir bekämen kein Essen im Flugzeug, da wir als letzte eingeckeckt hätten". Na, wenn es nur das ist... Halbwegs pünktlich ging es los, wobei wir nun doch dürftige Sandwiches als "Mahlzeit" erhielten. Um acht Uhr landeten wir in Frankfurt. Obwohl wir nun reichlich Zeit hatten, gingen wir zu unserem Gate, wohin wir auch fast eine halbe Stunde unterwegs durch Terminal A waren. Dort lief dann auch alles glatt und um zwanzig vor neun starteten wir – wie der Pilot verkündete – mit Mopsgeschwindigkeit nach Düsseldorf, wo wir um zehn nach zehn ankamen. Der Flug war kurz, aber man hatte eine sehr schöne Aussicht auf das nächtliche Deutschland.

In Düsseldorf bewahrheitete sich, was wir in Frankfurt bereits ahnten: In Deutschland war noch Sommer! Nach der herbstlichen Stimmung und den herbstlichen Temperaturen von Rovaniemi kaum vorstellbar, aber hier waren alle kurzärmelig unterwegs. Und dann kam die Stunde der Wahrheit: unser Gepäck ratterte tatsächlich übers Gepäckband! Die Baggage Tags waren handschriftlich geändert; offenbar war das Gepäck tatsächlich über Frankfurt nach Düsseldorf geflogen. Das hätten wir nicht gedacht. Endlich hatten wir es geschafft. Da es bei McDonalds am Flughafen voll war, holten wir unser Auto im Maritim aus der Tiefgarage und fuhren los Richtung Detmold. In Gelsenkirchen-Buer fuhren wir von der Autobahn und stoppten bei McDonalds am Kinocenter. Dann legten wir den Rest der Strecke nach Detmold zurück, wo wir so gegen zwei Uhr ziemlich erledigt ankamen. Endlich geschafft, aber so leicht verdient man auch nicht immer 400 €! Und was bleibt, sind tolle Eindrücke von Finnland!

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Kommentare

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Was ist die Summe aus 4 und 9?

Kommentar von Elchi |

Wow, was für ein tolles Foto! Das ist ja noch besser als in den Erzählungen :)

Was ist die Summe aus 5 und 2?