Finnland 2015 - Tag 2
von Astrid
Stadtbesichtigung am Restaurant Day
Auch der heutige Tag, den wir für die Besichtigung von Helsinki nutzen wollten, startete mit wunderbarem Sonnenschein. Außer den üblichen Sehenswürdigkeiten bot uns Helsinki heute noch seinen legendären Restaurant Day, den wir nun hier ganz authentisch am Ort seiner Begründung erleben durften. Am Restaurant Day darf jeder, der Spaß hat, sozusagen sein eigenes Restaurant betreiben und selbstgemachte Speisen verkaufen, sei es an einem Stand auf dem Markt oder auch einfach nur direkt vor seiner Haustür. Wir begannen daher unseren Besichtigungsrundgang auf dem Marktplatz, wo bereits erste Stände aufgebaut waren und wo wir hofften, ein Frühstück zu ergattern. Wir steuerten einen etwas abseits gelegenen Stand an, an dem uns ein junger Mann Kaffee und Tee, Sandwiches und karelische Piroggen verkaufte, ein Roggenmehlgebäck mit einer Milchreisfüllung, belegt mit Käse, Tomaten und Gurke. Wir setzten uns auf die bereitstehenden Plastikstühle, genossen den strahlenden Sonnenschein und sahen zu, wie immer mehr Stände um uns herum aufgebaut wurden. Wir staunten nicht schlecht, als entlang der Flaniermeile Esplanadi neben (natürlich) vielen professionellen Betreibern auch tatsächlich der ein oder andere Finne einen Bierzelt- oder Tapeziertisch aufbaute und selbstgebackenen Kuchen, Desserts, Brot oder andere Köstlichkeiten verkaufte. Auch vor der ein oder anderen Haustür wurden kurzerhand Tische aufgestellt und selbstgemachte Speisen verkauft; die Stadt war an diesem Tag fest in der Hand der Hobbygastronomen.
Wir beobachteten das bunte Treiben ein bisschen und schlenderten erstmal über den Markt am Hafen, wo Astrid und Christoph erste Souvenirs erwarben, während David noch einmal zurück zum Hotel ging, um die vergessene Kamera zu holen. Schließlich verließen wir den Markt Richtung Dom, der hinter der Esplanadi in der zweiten Reihe gelegen ist und dem wir gestern nicht viel Beachtung geschenkt hatten. Der Platz um den Dom herum ist sehr schön, war allerdings heute wegen des Abbaus einer großen Bühne ein wenig zugestellt, sodass sich uns nicht die ganze Pracht darbot. Wegen des sonntäglichen Gottesdienstes war auch eine Besichtigung des Doms nicht möglich. Wir liefen im Sonnenschein entlang der Einkaufsstraße Alexanterinkatu, die parallel zur Esplanadi verläuft, Richtung Kaufhaus Stockmann und Hauptbahnhof, da wir heute die nordwestlich vom Stadtzentrum gelegenen Sehenswürdigkeiten ansteuern wollten. Nach etwa drei Kilometern Fußweg erreichten wir das in einem kleinen Park gelegene Sibelius-Monument. Das sehenswerte Monument glitzerte schön in der herrlichen Vormittagssonne. Allerdings war es auch bereits von einer großen Menge Kreuzfahrttouristen, vornehmlich aus Deutschland und Asien, belagert, die in ihrem Besichtigungszeitfenster von drei Minuten jeweils 800 Fotos in allen erdenklichen Posen vor dem Monument knipsten. Nachdem wir ebenfalls einige Fotos von dem sehenswerten Monument geschossen hatten, verließen wir den Rummelplatz, um die nächste Sehenswürdigkeit zu erkunden.
Wir liefen zur Felsenkirche, an der wir auf dem Hinweg schon vorbei gekommen waren. Als wir die Kirche erreichten, bot sich hier jedoch ein ganz ähnliches Bild wie am Sibelius-Monument. Ganze Heerscharen von Kreuzfahrt-Touristen drängelten in die kleine Kirche, die nach dem Sonntagsgottesdienst gerade erst für die Besichtigungen geöffnet worden war. Wir suchten uns einen Sitzplatz und warteten ein wenig ab, bis der erste Andrang vorüber war. Nun konnten wir die besondere Atmosphäre der Kirche doch noch ein wenig genießen. Die Felsenkirche ist eine moderne Kirche, die in einen Granitfelsen gebaut ist. Die Felswände der kreisrunden Kirche sind naturbelassen; durch die vielen Fenster im Kuppeldach fällt aber Tageslicht in den runden Innenraum, sodass der Raum nicht düster oder bedrückend wirkt. Das Licht der strahlend scheinenden Sonne erschien im Innenraum fast golden und tauchte die Felswände in ein warmes Licht. Nach einer Weile wechselten wir unseren Standort auf die Empore, von wo aus wir noch einmal sehr schön den außergewöhnlichen Innenraum überblicken konnten.
Vor der Kirche hatten inzwischen auch Teilnehmer des Restaurant Day ihre Stände aufgebaut und wir kauften bei zwei netten jungen Mädels Blaubeermuffins und Blaubeer egg tartes, die hervorragend schmeckten. Wir waren ganz begeistert vom Restaurant Day. So gestärkt traten wir den Rückweg zum Kauppatori an, von wo aus wir zur Festungsinsel Suomenlinna übersetzen wollten. Zwischendurch legten wir noch einen Abstecher zum Kaufhaus Stockmann ein, das mittlerweile geöffnet hatte. Das Sortiment beeindruckte uns allerdings nicht allzu sehr. Es gab Diesel Jeans zum Preis von etwa 100 € und Levis 501 zum Preis von 80 €, aber auch Designermöbel, so beispielsweise ein Sofa für 7.000 €. Wir verließen das Kaufhaus bald und setzten unseren Weg zum Hafen auf der Esplanadi fort. Auf der Esplanadi war der Restaurant Day inzwischen auf Hochtouren angekommen; es gab beinahe kein Durchkommen zwischen Ständen und Besuchern. Überall wurde mehr oder weniger professionell gebrutschelt und gewerkelt; geboten wurden Spezialitäten aus aller Herren Länder, wobei sich asiatische Spezialitäten besonderer Beliebtheit zu erfreuen schienen. Leider war es etwas zu voll, als dass man irgendwo hätte stehen bleiben und etwas essen können, zumal der Qualm einiger Holzkohlegrills auch nicht unbedingt zum Verweilen einlud.
Am Hafen angekommen erwarben wir ein mit 2,50 € pro Nase ausgesprochen günstiges Fährticket und setzten mit der nächsten Fähre zur Festungsinsel Suomenlinna über. Weiteren Eintritt kostet der Besuch der Festungsinsel nicht. Allein für die Überfahrt nach Suomenlinna bei dem herrlichen Wetter hätte sich der Kauf des Fährtickets gelohnt. In Suomenlinna angekommen entschieden wir uns, einfach dem Hauptfußweg über die Insel zu folgen ohne größere Einzelbesichtigungen der Gebäude oder Museen vorzunehmen, da dies viel zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte. Wenn man mehr Zeit in Helsinki hat, könnte man gut auch einen ganzen Tag auf Suomenlinna verbringen. Die Insel oder besser Inselgruppe mit den vielen ehemaligen Festungsgebäuden ist schon sehr beeindruckend. Die Festungsanlage ist natürlich toll, aber auch die Ausblicke über die Ostsee und auf Helsinki sind sehr schön. Die Insel ist noch immer regulär bewohnt und verfügt sogar über einen Badestrand an einer kleinen Bucht. Wir suchten uns schließlich auch ein Plätzchen auf einem Felsen mit Blick über die Ostsee und die vorgelagerten Schäreninseln und ruhten ein wenig aus. Wir hatten inzwischen schon einige Kilometer Fußweg hinter uns. Schließlich schlenderten wir weiter zur Haltestelle des Wasserbusses, einer privat betriebenen Fähre, die ebenfalls zurück nach Helsinki fährt. Nachdem wir aber festgestellt hatten, dass die Tickets statt 2,50 € hier 4,50 € kosten, entschieden wir uns, doch den Fußweg zurück zum Anleger der öffentlichen Fähre zu nehmen. In der herrlichen Sonne war das noch einmal ein netter Spaziergang.
Zurück in Helsinki stürzten wir uns noch einmal ins Getümmel des Restaurant Day und stärkten uns auf der nunmehr etwas leereren Esplanadi. Da sich die Veranstaltung dem Ende näherte, wurden hier und da schon Gerichte zum Schnäppchenpreis angeboten. Eigentlich hatten wir dann noch einmal zum Hotel gehen wollen und uns etwas frisch machen für den Besuch einer Cocktailbar im Hotel Torni. Hier wurde uns laut Reiseführer ein wunderbarer Ausblick über Helsinki versprochen. Da wir aber nun schon wieder eher vom Hotel weg und Richtung Cocktailbar gelaufen waren, beschlossen wir, das Styling kurzerhand zu canceln und direkt zur Cocktailbar zu gehen, in der Hoffnung, dass man uns dort herein lassen würde. Am Hotel Torni angekommen fuhren wir dann auch direkt in den 12. Stock, von wo aus man über eine kleine Wendeltreppe bis zur Bar in den 14. Stock heraufsteigen konnte. Die Cocktailbar entpuppte sich eher als kleine Dachterrasse mit Plastikstühlen und Self Service, sodass wir froh waren, keine weitere Zeit für Styling aufgewendet zu haben. Zudem lag die Terrasse auch schon im Schatten und es weht in dieser luftigen Höhe ein kühler Wind, sodass eher eine wärmere Jacke als ein Cocktailkleidchen erforderlich war. Wir genossen ein Bier für 8,50 €, immerhin diesmal 0,4 l, aber vor allem genossen wir den Ausblick, denn der war wirklich fantastisch. Hoch über den Dächern Helsinkis konnte man über die Stadt und das Meer schauen, vor allem bei dem schönen klaren Wetter wunderbar. Nachdem wir unsere Getränke geleert hatten, stoppten wir noch schnell auf der Toilette mit dem schönsten Ausblick. Die hat die Bar nämlich auch. Die Toilettenräume haben Klarglas-Fenster, da sowieso niemand von außen herein schauen kann und so kann man auch von dort die Aussicht genießen.
Anschließend ging es zurück zum Hotel, wobei wir zuerst noch einen Abstecher zum Cafe Ekberg, dem ältesten Cafe Helsinkis, machten. Wir hatten gelesen, dass ein Frühstück im Cafe Ekberg sozusagen Kultstatus genoss und so wollten wir das morgen vor der Abreise aus Helsinki noch ausprobieren. Nach einem kurzen Blick durchs Fenster auf das 70er Jahre Interieur beschlossen wir aber, den langen Fußweg vom Hotel bis zum Cafe morgen früh doch nicht mehr auf uns zu nehmen und lieber die Markthalle am Kauppatori zu besuchen. Wir schlenderten langsam zurück zum Hotel, wobei wir noch einmal einen Abstecher am Dom vorbei machten, wo die große Bühne beinahe abgebaut, der Dom aber diesmal wegen eines Orgelkonzertes geschlossen war. Noch einmal besuchten wir auch die Eisbrecherflotte und bogen dann aber direkt zu unserem Hotel ab.
Am nächsten Tag mussten wir bereits Abschied nehmen von Helsinki, hatten aber lauter gute Eindrücke im Gepäck. Helsinki verfügt nicht über eine große Fülle an historischen Orten und Sehenswürdigkeiten; mit Paris oder London ist es in dieser Hinsicht nicht vergleichbar. Dennoch gibt es ein paar interessante Orte, die man besuchen sollte wie die Usenski-Kathedrale, die Domkirche, den Kappatori, die Esplanadi, das Sibelius-Monument, die Felsenkirche und die Festung Suomenlinna. Für uns war die Zeit mit einem einzigen vollen Tag knapp bemessen, um Helsinki zu erkunden. Sicherlich ist ein Tag ausreichend, um die wesentlichen Sehenswürdigkeiten "abzuklappern" und sich einen guten Eindruck von der Stadt zu verschaffen. Wer aber die Zeit hat, sollte sich aus unserer Sicht doch noch einen Tag mehr gönnen, um der Stadt gerecht zu werden und vielleicht auch ein bisschen abseits der Pfade der Kreuzfahrttouristen zu wandeln. Wir hätten beispielsweise gerne noch die auch bei Einheimischen beliebte Insel Seurasaari besucht, um vielleicht das dortige Freilichtmuseum zu besuchen oder auch einfach nur am Strand zu chillen und zu schauen, wie die Einheimischen ihre Freizeit verbringen.
Kommentar von Elchi |
Wow, was für ein tolles Foto! Das ist ja noch besser als in den Erzählungen :)
Kommentare
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