Finnland 2015 - Tag 4

von Astrid

Mit dem Linienbus nach Turku

Auch dieser Tag begann – wie wir es inzwischen ja schon gewöhnt waren – wieder bei strahlendem Sonnenschein. Wir trafen uns um kurz vor neun auf der Veranda und suchten erst mal das ebenfalls am Yachthafen gelegene Restaurant Mersali zwei Häuser weiter auf, in dem ein Frühstücksbüffet serviert wurde. Für Gäste unseres Hotels Amandis gab es das Frühstück zum Vorzugspreis von 7 € pro Person statt 9 €; man muss lediglich einen "Voucher" vorlegen, bei dem es sich um einen von der netten Wirtin des Amandis handgeschriebenen Zettel handelte, der bestätigen sollte, dass man Gast des Hotels Amandis war. Was wörtlich auf dem Zettel stand, vermochten wir mangels Kenntnissen der finnischen Sprache nicht zu deuten. Das Frühstücksbüffet im Mersali war reichhaltig mit Brötchen, Brot, Ei, Käse und Schinken, Tomaten, Gurken und Paprika und vor allem vielen Fischspezialitäten, die für uns zum Frühstück noch nicht so reizvoll waren. Nur David kam nicht so richtig auf seine Kosten, denn an süßen Sachen war lediglich Honig vorhanden, den wir allerdings auch zu spät entdeckten. Für 7 € einschließlich Kaffee war dies allerdings sicherlich eine der günstigsten Mahlzeiten zum Sattwerden, die wir in Finnland so bekommen haben.

 

Nach dem Frühstück machten wir uns gegen zehn auf den Weg zum Busbahnhof um nach Turku zu fahren, was wir heute besichtigen wollten. Wir fanden den Busbahnhof im kleinen Naantali ohne Probleme und saßen bald auch schon im Bus nach Turku. Die Fahrt dauerte etwa eine halbe Stunde und schon waren wir in Turku am Marktplatz. Die Stadt Turku ist bestimmt reizvoll als Wohnort, denn sie ist einigermaßen groß und hat sicherlich für ihre Bewohner alle möglichen Annehmlichkeiten zu bieten. Für Touristen ist sie als Stadt wohl eher als Einstieg in die Schärenwelt attraktiv. Einzig nennenswerte Gebäude sind die Kathedrale, die wir als erstes besichtigten und die Burg, zu der wir am Fluss entlang von der Kathedrale aus einige Kilometer marschierten. An der Burg angekommen entschieden wir uns dann auch für eine Besichtigung. Derzeit gab es eine Ausstellung über den Film The Girl King, der die Lebensgeschichte der Königin Kristina von Schweden, Tochter von König Gustav Adolf und uns bis dahin völlig unbekannt, erzählt. Nach dem Tod Gustav Adolfs wurde die homosexuelle Kristina schon früh Königin. Nach einigen kurzen Jahren der Regentschaft dankte sie ab, konvertierte zum Katholizismus und lebte fortan in Rom, allerdings wohl auch nicht in ganz so großer Demut wie die katholische Kirche es sich gewünscht hätte. Die Ausstellung war sehr interessant, der Film, von dem viele Requisiten ausgestellt waren, soll im Sommer 2016 in die Kinos kommen. Nachdem wir die Ausstellung über den Film intensiv angeschaut hatten, erledigten wir den Rest der Besichtigung eher im Eiltempo.

 

Nach der Burgbesichtigung machten wir uns auf den Rückweg zum Marktplatz, wo auch sehr bald ein Linienbus nach Naantali hielt. Zu uns auf unseren Vierer-Platz setzte sich noch ein Schüler, der uns nach kürzester Zeit ansprach und uns mitteilte, dass er ebenfalls aus Deutschland sei. Er berichtete, dass er seit einer guten Woche in Finnland sei und hier bis Weihnachten in eine englischsprachige Schule gehe. Er spiele Floor Ball, eine Art Hallenhockey, die in Deutschland noch nicht so groß sei, wohl aber in Skandinavien. So sei er auf die Idee gekommen, nach Finnland zu gehen. Er habe sich an den örtlichen Floor Ball-Verein gewendet, der ihm bei der Organisation von Schule und Gastfamilie geholfen habe. Nun lebe er in einer Gastfamilie in Naantali. Er sei eigentlich gerade in die zehnte Klasse gekommen. Wegen des Abiturs nach zwölf Jahren müssten jetzt Austauschsemester schon in der zehnten und nicht in der elften Klasse vorgenommen werden.

In Naantali angekommen liefen wir zum Hotel zurück und ruhten erstmal eine Stunde aus, bevor wir uns für ein Abendessen im Restaurant nebenan entschieden. Dies war uns eigentlich wegen der Pizza von unserer Wirtin hier empfohlen worden, aber wir hatten schon entdeckt, dass durchaus auch andere vielversprechende Gerichte auf der Karte standen. Entweder bestand in diesem Laden allerdings eine gewisse Scheu vor Ausländern oder wir haben irgend etwas falsch gemacht, aber der Service lief für uns ausgesprochen schleppend. Dabei schlug sich die junge Kellnerin auf Englisch durchaus gut. Wir bestellten Spare Ribs für David, Chicken Kebab für Astrid und Sirloin Steak für Christoph. Allerdings staunten wir nicht schlecht, als es sich bei dem Sirloin Steak um ein Stück dünnes Schweinefleisch statt um Rindfleisch handelte. Dies war der Speisekarte an keiner Stelle zu entnehmen. Ansonsten waren Essen und Portionen gut, sodass wir beinahe sogar mit dem Gesamtpreis von etwa 75 € unseren Frieden machen konnten. Allerdings dauerte es auch wieder ziemlich lange, bis wir zahlen konnten, da unser Tisch nachhaltig vom Personal ignoriert wurde. Während an allen anderen Tischen gefragt und kassiert wurde, kam bei uns niemand mehr vorbei. Schließlich hatten wir aber die junge Kellnerin dazu bewegen können, auch bei uns zu kassieren und so konnten wir das Lokal verlasse

Da die Sonne noch herrlich schien, entschieden wir uns für einen Abendspaziergang entlang der Ostsee bis zum Naantali Spa. Dies ist etwa 1,5 km vom Ort entfernt, aber auch direkt am Meer gelegen. Man kann auf einem autofreien Fußweg dorthin gelangen. In der herrlichen Abenddämmerung erreichten wir zuerst den Badestrand, der auch noch besucht war und wo noch immer ein paar Jugendliche, im Wasser planschten und von einer Badeplattform ins Wasser sprangen. Dann führte der Weg an der ruhigen Küste bis zum Spa. Da der Weg nicht vollständig beleuchtet war, kehrten wir hier um und genossen kurz vor dem Badestrand den malerischen Sonnenuntergang von einer Felsgruppe aus. Im Dämmerlicht liefen wir schließlich zurück zum Hotel und ließen den Abend bei einem Glas Wein ausklingen.

Morgen geht es schon weiter nach Jyväskylä.

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Kommentare

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Kommentar von Elchi |

Wow, was für ein tolles Foto! Das ist ja noch besser als in den Erzählungen :)

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