Finnland 2015 - Tag 8
von Astrid
Ausblicke nach Osten - durch Karelien zum Koli-Nationalpark
Zur Halbzeit unseres Urlaubs legten wir eine der schönsten Etappen unserer Finnland-Reise zurück. Den Tag begannen wir wieder um viertel vor neun mit dem Frühstück im benachbarten Restaurant. Astrid und Christoph wagten sich auch daran, dass Porridge zu probieren, das auf keinem Frühstücksbüffet fehlte. Wir stellten fest, dass Porridge deutlich besser ist als sein Ruf und mit Marmelade gesüßt sehr gut schmeckt.
Nach dem Frühstück verluden wir das Gepäck ins Auto und checkten aus dem Hotel aus. An der Ausfallstraße aus Savonlinna füllten wir bei Lidl unsere Vorräte an Snacks und Getränken auf. An der benachbarten Tankstelle stoppten wir ebenfalls, um unsere Tour in weniger dicht besiedelte Gebiete mit vollem Tank anzutreten. Wir hatten uns bereits vor der Reise Gedanken gemacht, wie es wohl mit der Tankstellendichte so sein würde und können rückblickend sagen, dass sich auf unserer Route zwischen Südküste und Polarkreis keine Probleme ergaben. Natürlich sollte man - wie überall - die Tankanzeige im Blick behalten und vielleicht einen früheren Tankstopp einlegen; allerdings würde man dies genauso tun, wenn man in Deutschland auf unbekannten Strecken unterwegs wäre. Aber eine generalstabsmäßige Planung der Tankstopps ist nicht erforderlich.
Nachdem wir uns nun für unsere Tour in die mehr oder weniger einsame Natur gerüstet fühlten, fuhren wir zunächst weiter bis zu der kleinen Ortschaft Kerimäki, wo wir die größte Holzkirche Europas besichtigten. Die Kirche war mitten im Ort auf einer kleinen Anhöhe exponiert gelegen und zeigte sich im strahlenden Sonnenschein natürlich heute von ihrer besten Seite. Das riesige Holzgebäude ist sehr beeindruckend. Auch von innen gefiel uns die im Reiseführer als schlicht beschriebene Kirche durchaus gut. Das Dekor ist zwar tatsächlich nicht üppig, aber der Innenraum ist doch hübsch mit Schnitzereien, Kronleuchtern und einem Altarbild verziert. Da die Kirche nicht beheizbar ist, befindet sich hinter der eigentlichen Kirche noch ein kleiner Anbau, die Winterkirche, in der in der kalten Jahreszeit Gottesdienste abgehalten werden. Wir konnten einen kurzen Blick in die zweckmäßige, modern eingerichtete Winterkirche werfen; dann war diese von einer Beerdigungsgesellschaft belegt.
Nach der lohnenswerten Kirchenbesichtigung machten wir uns auf den Weg Richtung Ilomantsi, was ungefähr zwei Fahrstunden entfernt lag. Der Weg führte uns über einfache Landstraßen, wobei diese allerdings durchaus die Hauptstraßen der Region darstellen. Wir fuhren Richtung Nordosten immer näher an die russische Grenze heran. An einer Stelle können wir kaum mehr als 20 km von der Grenze entfernt gewesen sein; der Grenzort war mit 15 km Entfernung ausgeschildert. Ansonsten deutete hier nichts darauf hin, dass sich nur wenige Kilometer entfernt Russland befindet – keine Beschilderung an der Straße oder ähnliche Hinweise. Beschildert sind allein Ortschaften auf der finnischen Seite der Grenze. Natürlich kann man die Grenze nicht ohne weiteres überqueren, sondern benötigt hierfür ein Visum, aber dass hier gar nichts auch nur auf die Existenz des Nachbarlandes hindeutet, fanden wir auch bemerkenswert.
Kurz vor Ilomantsi bogen wir schließlich ab zum Runensängerdorf, einem kleinen Freilichtmuseum, in dem sich einige Häuser im karelischen Baustil befinden und Informationen über die karelischen Traditionen geben, insbesondere eben auch über die Runensänger, deren Verse und Volksweisheiten auch wesentlich im finnischen Nationalepos Kalevala wiedergegeben sind, das einem hier immer mal wieder auf Infotafeln begegnet. Gegen einen Eintrittspreis von 7 € konnten wir das Museum besichtigen. Gut gefallen hat uns die Ausstellung über die örtliche Tierwelt im Museumsladen, aber auch eine kleine orthodoxe Kapelle, in der man sogar Votivkerzen entzünden konnte. Über einige in einen Baumstamm gehauene Stufen konnte man zur kleinen Glocke emporklettern. In einem weiteren Haus befand sich eine Ausstellung über einen finnischen General, der diese Hütte im im 2. Weltkrieg bewohnt und Finnlands Krieg mit der Sowjetunion wesentlich beeinflusst hat. Uns wurde bewusst, dass wir über diesen Teil des Krieges so gar nichts wissen. Im eigentlichen Runensängerhaus informierte uns dann eine nette, in Trachten gekleidete junge Frau darüber, dass die eigentlich nächst größere Stadt von Ilomantsi aus nach dem Krieg an Russland fiel, sodass sozusagen das örtliche Zentrum für die Bevölkerung vor Ort nicht mehr zu erreichen war. Sie freute sich offenbar, mal endlich ein paar Besuchern etwas erzählen zu können. Schließlich spielte sie uns noch etwas auf dem traditionellen finnischen Instrument, der Kantele, vor. Die Kantele ist eine Kreuzung aus Gitarre und Harfe und die junge Frau spielte wirklich sehr schön. Die traditionelle Kantele hat 5 Saiten, aber ihre hatte 19 Saiten und einen tollen, weichen Klang. Wir waren begeistert über dieses Privatkonzert. Insgesamt war der Besuch des Runensängerdorfes eines der schönsten Erlebnisse der Reise. Wir waren relativ alleine auf dem großen Gelände und konnten uns in aller Ruhe alles anschauen. Im strahlenden Sonnenschein zwischen den verschiedenen Holzbauten fühlte man sich in eine andere, längst vergangene Welt versetzt.
Nachdem wir die Besichtigung beendet hatten, schauten wir noch schnell in das zum Museum gehörende Restaurant, wo es das übliche Buffet-Essen gab. Da wir hierauf keine Lust hatte, legten wir am Auto ein kleines Picknick mit unseren Einkäufen vom Vormittag ein und fuhren weiter Richtung Ilomantsi, wo wir noch einen Stopp an der St. Elias-Kirche einlegten, der größten orthodoxen Holzkirche Finnlands. Leider war die Kirche bereits geschlossen, aber auch von außen bot sie mit ihren sechs Zwiebeltürmen im Sonnenschein ein beeindruckendes Bild. Wir spazierten um die Kirche herum und setzten dann die Fahrt in den Koli Nationalpark fort. Auf dem Weg aus Ilomantsi heraus entdeckten wir noch eine weitere große Holzkirche, diesmal eine evangelisch-lutherische Kirche. Die beiden Vereine liefern sich hier anscheinend einen gewissen Wettkampf in der Kirchengröße. Zwar konnten wir aus der Kirche Orgelklänge vernehmen, aber leider war auch diese Kirche für Besucher bereits geschlossen. Hinter der Kirche konnten wir zur Entschädigung einen schönen Blick über einen See genießen.
Nach weiteren 1,5 Stunden Fahrt erreichten wir den Koli Nationalpark. Inzwischen hatte sich auch die Landschaft geändert und es war deutlich hügeliger geworden. Wir fuhren über enge Serpentinen-Straßen bis in den Nationalpark hinein und auf den Koli-Berg hinauf und waren uns erst nicht sicher, ob wir überhaupt bis zum Hotel fahren könnten, da uns bereits an einem unterhalb gelegenen Parkplatz Schilder darauf hinwiesen, dass man oben nicht parken dürfe. Wir fuhren dann doch bis nach oben und erfuhren, dass dies zum Einchecken und Gepäck ausladen erlaubt ist. Wir checkten ein und waren gleich begeistert über unsere Zimmer, von denen man einen wunderbaren Blick über den Pielinen-See und seine kleinen Inselchen hatte. Wir luden unser Gepäck aus und fuhren das Auto zum unteren Parkplatz. Mit einer kostenfreien Gondelbahn, die die Höhenmeter zum Hotel überbrückt, fuhren wir anschließend wieder zum Hotel hinauf.
Nachdem wir auch die letzten Sachen aus dem Auto im Hotel abgeladen hatten, beschlossen wir, die schöne Abendsonne zu nutzen, um zum Ukko Koli, dem Gipfel des Koliberges zu laufen, von wo aus man den wohl berühmtesten Ausblick über den Pielinen-See genießen kann. Zwar ist der Ukko Koli nur 300 m vom Hotel entfernt, aber wegen der über Treppen zu überwindenden Höhenmeter gestaltete sich der Aufstieg anstrengend. Schließlich erreichten wir aber den Gipfel und wurden nicht enttäuscht. Die Aussicht, die sich uns bot, war überwältigend. Wir genossen eine Weile die warme Abendsonne und den Ausblick und stiegen dann noch zum weiteren Gipfel, dem Akka Koli, den wir dann allerdings nicht mehr erreichten. Wir wollten nun doch lieber zum Abendessen im Hotel. Die Erkundung der weiteren Gegend um das Hotel verschoben wir auf den nächsten Tag. Wir entdeckten dann noch auf dem Waldboden wilde Blaubeeren, die wir gleich probierten. Die Früchte sind deutlich kleiner als die daheim angebotene Sorte, sie schmeckten aber wunderbar süß. Wir hatten von unserer finnischen Freundin in Jyväskylä erfahren, dass man die Beeren in Finnland bedenkenlos direkt aus dem Wald essen kann. Sie selber sammelt auch gerne Beeren und verarbeitet diese zu allen möglichen Leckereien. Der Fuchsbandwurm ist in Finnland noch nicht zum Problem geworden. Also ließen wir uns das Obst schmecken.
Zurück im Hotel setzten wir uns zum Essen auf die Terrasse des Hotelrestaurants mit Blick über den See. Wir bestellten Pizza, die ebenfalls wunderbar schmeckte. Der Teig war scheinbar mit Roggenmehl gemacht, was hier häufig verwendet wird und das Essen ziemlich lecker macht. Pizzateig mit Roggenmehl ist jedenfalls empfehlenswert.
Nach dem Essen kehrten wir zurück in unser Hotelzimmer und planten den morgigen Tag, genossen die Aussicht und tranken auf unser Bergfest ein Glas Wein. Wir hätten das Bergfest des Urlaubs kaum an einem schöneren Ort feiern können.
Kommentar von Elchi |
Wow, was für ein tolles Foto! Das ist ja noch besser als in den Erzählungen :)
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