Finnland 2015 - Tag 13
von Astrid
Heute brachen wir zur letzten Etappe unserer Reise nach Rovaniemi auf. Wir waren recht früh wach; Christoph hatte sich von seinen gestrigen Kopfschmerzen gut erholt. Wir standen auf, frühstückten ein letztes Mal in unserem tollen Mökki am See und packten dann langsam unsere Sachen zusammen. Bereits um zehn waren wir fertig und fuhren zur Rezeption zum Auschecken. Nach dem Check out wollten wir eigentlich noch den Souvenirshop des Hotels stürmen, der aber leider geschlossen war und so machten wir uns auf den Weg nach Rovaniemi. Wieder ging es ungefähr 180 km geradeaus auf einer streckenweise ziemlich einsamen Landstraße. Natürlich begegneten uns unterwegs auch wieder Rentiere. Wir wissen nun auch, was einheimische Autofahrer bei diesen Begegnungen machen: mehrfach hupen. Dann laufen die Tiere weg.
Gegen halb eins erreichten wir dann unser Ziel: das Weihnachtsmanndorf. Wir parkten direkt vor der Rezeption. Da es aber noch zu früh zum einchecken war, besuchten wir erstmal das Cafe und den Souvenirshop, in dem die Rezeption genaugenommen angesiedelt war. Im Cafe wurden natürlich auch insofern alle Klischees bedient, als dass erstmal eine asiatische Reisegruppe beim Lunchbuffet saß. Wo Kitsch ist, sind nach unserer Erfahrung im Allgemeinen Asiaten nicht weit. Auch im Verlauf des Tages bemerkten wir, dass Asiaten hier einen großen Anteil am Touristenaufkommen haben. Vom Cafebesuch gestärkt, nahmen wir noch einmal den Souvenirshop in Augenschein. Wir ahnten noch nicht, dass das erst der Anfang sein würde!
Um kurz nach zwei entschieden wir uns, einmal zu fragen, ob unsere Cabins schon fertig wären. Die nette Dame teilte uns mit, dass Nr. 57, die eine Hälfte unseres Doppel-Bungalows, schon fertig sei, Nr. 58, die andere Hälfte, aber noch nicht. Wir konnten daher nur für die eine Hälfte die Schlüsselkarten in Empfang nehmen, aber immerhin hatten wir schon mal eine Anlaufstelle. Inzwischen regnete es auch immer wieder stärker, sodass wir froh waren, uns drinnen bei einem Tee aufwärmen zu können. Als wir in Nr. 57 Tee tranken, kam dann auch die Putzkolonne für den anderen Teil des Bungalows. Die beiden Cabins waren sozusagen zwei Wohnungen im selben Haus, mit einer gemeinsamen Haustür und separaten Wohnungseingangstüren.
Die Cabins waren schön gestaltet, wenn auch unser letztes Häuschen da sehr gut mithalten konnte und insbesondere besser ausgestattet war. Vor der Eingangstür betrat man eine Terrasse, auf der für jede Bungalow-Hälfte neben einer kleinen Sitzgruppe mit zwei Stühlen und Tisch ein Weihnachtsbaum aufgestellt war, der mit kleinen Lichtern beleuchtet war. Jede Wohneinheit besteht aus einer Wohnküche mit Bett, Pantry-Küche, Esstisch und Sofa und einem Bad, das auch wieder über eine eigene Sauna verfügte, ähnlich der im letzten Mökki. Schön waren die kronleuchterartigen Lampen im Rentiergeweih-Design mit dicken, elektrischen Kerzen. Vor dem Fenster auf dem Esstisch stand ein Lichterbogen. Die Räume sind thematisch passend, aber nicht kitschig oder aufdringlich gestaltet. Das fanden wir schön. Die Pantry-Küche war allein nicht so toll eingerichtet wie die Küche unseres letzten Häuschens. Aber das war ja auch eine ausgewachsene Küchenzeile mit Spülmaschine, Backofen und Induktionsherd. Hier gab es immerhin noch eine Mikrowelle, Kaffeemaschine und Wasserkocher und einen Zweiplatten-Herd.
Nachdem wir den einen Bungalow bezogen hatten, beschlossen wir, uns den Teil des Weihnachtsmanndorfes einmal anzuschauen, wo auch der Polarkreis markiert ist. Wir fuhren mit dem Auto zu einem anderen Parkplatz, um möglichst kurz durch den inzwischen heftigeren Regen laufen zu müssen. Im eigentlichen Weihnachtsmanndorf stürmten wir zuerst die Souvenirmeile. Insbesondere Astrid und Christoph waren daraufhin vollauf beschäftigt, Souvenirs zu sichten und Einkäufe zu planen. Wir sondierten die ganze Souvenirmeile und überquerten dann den Platz, auf dem der Polarkreis markiert ist, zum Büro von Santa Claus. Leider regnete es weiter, sodass der Polarkreis nicht zum Verweilen einlud. In Santas Office befanden sich weitere Souvenirshops, wo wir nun auch erstmalig die Formulare vorfanden, mit denen man für Kinder Briefe vom Weihnachtsmann bestellen konnte. Das ganze sah aus wie ein Bestellformular vom Otto-Katalog und schien uns wenig vertrauenswürdig und ziemlich unpersönlich. Nachdem wir in Santas Designshop Postkarten und einen kleinen Perlen-Weihnachtsmannanhänger erworben hatten, überquerten wir den Polarkreis Richtung Süden zu Santas Postamt, um nähere Informationen über die Briefe vom Weihnachtsmann einzuholen. Wir stöberten eine Weile hier herum, fanden aber nichts wirklich aussagekräftiges. Schließlich googelten wir – denn WiFi gibt es hier überall – und waren mit dem DIN-A-4-Blatt Standardtext dann nicht so glücklich. Wir beschlossen daher, anstelle der standadisierten Briefe vom Weihnachtsmann Postkarten an die diversen Kinder zu schreiben, die erst zu Weihnachten zugestellt werden. Hier gibt es nämlich zwei Arten von Briefkästen: jene, die die Post sofort verschicken und solche, in denen Post für Weihnachten 2015 gesammelt wird. Wir kauften normale Postkarten und schöne Briefmarken und stürmten dann, da es wieder regnete, den nächsten Souvenirshop, in dem wir dann tatsächlich auch warme Pantoffeln für den heimischen Winter erwarben. Gerade war es noch Sommer, jetzt waren wir schon in Winterstimmung.
Wir kämpften uns durch die Souvenirmeile zurück zum Auto, wobei Christoph unterwegs noch ein neues Portemonnaie aus Rentierleder erwarb, und fuhren mit dem Auto zurück zum Bungalow. Wir tranken einen Tee und fuhren dann Richtung Rovaniemi Stadt, wo wir zu Abend essen wollten. Wir parkten in einem Parkhaus an einem Einkaufszentrum, in dem wir erstmal noch einen K-Market aufsuchten und Zwiebeln erwarben, mit denen Astrid ihre seit mehreren Tagen bestehenden leichten Ohrenschmerzen behandeln wollte. Nach dem Zwiebel-Einkauf machten wir uns dann auf den Weg durch die Fußgängerzone und sondierten das Angebot an Lokalen, das für eine Stadt der Größe von Rovaniemi sogar recht reichhaltig war. Wir entschieden uns für ein Lokal der Kette Rossi, die wir schon öfter gesehen und die auch Ulla erwähnt hatte und waren ganz begeistert. Das Essen war sehr gut, der Service ebenfalls, nervig waren lediglich die pensionierten deutschen Lehrer, die hinter uns saßen. Das müssen Lehrer gewesen sein.
Nach dem leckeren Essen liefen wir noch weiter durch die Fußgängerzone bis zum Fluss, auch um zu überlegen, wo wir morgen essen könnten. Zum Urlaubsabschluss wollten wir noch einmal Pizza essen. Wir entdeckten verschiedene Pizzerien und kehrten zufrieden zum Auto zurück. In der Stadt schlossen die Geschäfte sowieso inzwischen, sodass es dort auch nichts mehr zu sehen gab. Wir fuhren Richtung Weihnachtsmanndorf, allerdings stoppten wir hier nicht, sondern folgten der Straße noch für ein paar Kilometer Richtung Norden. Wir hatten gelesen, dass der Polarkreis inzwischen gar nicht mehr dort ist, wo er markiert ist, sondern schon etwa 120 m weiter nördlich und wir wollten doch sicherstellen, dass wir auf jeden Fall den Polarkreis überquert hatten. Nachdem wir einige Kilometer zurückgelegt hatten und uns sicher waren, dass wir es nun geschafft hatten, drehten wir um und fuhren zurück zum Weihnachtsmanndorf.
Zurück im Weihnachtsmanndorf machten wir uns daran, unsere Weihnachtspost dann auch zu schreiben, um sie am nächsten Tag noch im Postamt aufzugeben. Das Weihnachtsmanndorf gefiel uns gut, vor allem ist es gut geeignet für den Abschluss der Tour, weil man sich souvenirtechnisch noch einmal austoben kann. Das Wetter, das inzwischen deutlich schlechter geworden ist mit 15 Grad Höchsttemperatur und Regen, ließ sogar so etwas wie Weihnachtsstimmung aufkommen. Irgendwie surreal ist der Ort hier schon. Den Abend ließen wir dann bei einer Dose Lapin Kulta in unserem Doppel-Bungalow-Haus ausklingen. Hier ist das uns inzwischen vertraute Lapin Kulta ja auch endlich zuhause.
Kommentar von Elchi |
Wow, was für ein tolles Foto! Das ist ja noch besser als in den Erzählungen :)
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